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Deutsche Myasthenie Gesellschaft e.V.

Hilfe, Unterstützung & Austausch bei Myasthenia Gravis, Lambert-Eaton-Syndrom & Kongenitalen Myasthenie-Syndromen

25. November 2020 | Redaktion

Corona - Stellungnahme des DMG-ÄB zur Einordnung von Risikogruppen

Auf Wunsch der DMG hat der Ärztliche Beirat (ÄB) der Deutschen Myasthenie Gesellschaft zum aktuell verabschiedeten Infektionsschutzgesetz (es geht hier unter anderem um einen Anspruch auf FFP 2/ 3 Masken und eine Schutzimpfung) unter Federführung des ÄB-Vorsitzenden, Prof. Dr. Andreas Meisel, Charité Berlin, eine Erklärung verfasst, die an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und den gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) weitergeleitet wurde.

Illustratives Bild

Bild von Elchinator auf Pixabay

Die Stellungnahme im Wortlaut:

Stellungnahme des Ärztlichen Beirats der Deutschen Myasthenie-Gesellschaft (DMG)

zur

Medizinische Begründung der Eingruppierung von Patientinnen/Patienten mit myasthenen Syndromen in die Risikogruppe mit einem signifikant erhöhten Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2

23. November 2020

Die Stellungnahme bezieht sich auf alle Patientinnen/Patienten, die an den chronisch verlaufenden autoimmunen myasthenen Syndromen Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom oder einem der kongenitalen myasthenen Syndrome erkrankt sind.
Diese Patientinnen/Patienten haben regelhaft einen oder mehrere Risikofaktor(en) für eine erhöhte Suszeptibilität gegenüber Infektionserregern sowie einen schweren Verlauf von Infektionserkrankungen, vor allem Atemwegsinfektionen. Dies gilt im Besonderen auch für Infektionen mit dem SARS-CoV-2 Virus bzw. der COVID-19 Erkrankung.1,2
Risikorelevant sind neben den allgemeinen Faktoren wie Alter und Geschlecht hier in erster Linie die gehäuft bei diesen Patientinnen/Patienten auftretenden Komorbiditäten (u.a. weitere Autoimmunerkrankungen, Lungenerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus) sowie das klinische Beschwerdebild mit Schluck- und/oder Atemlähmungen.1
Zudem wird die Mehrzahl der Patientinnen/Patienten mit autoimmunen myasthenen Syndromen medikamentös und/oder chirurgisch immunsuppressiv behandelt. Für diese gelten damit die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) für immunsupprimierte Patientinnen/Patienten. Im Rahmen von Infektionserkrankungen, wie auch CoViD-19, kann es bei den betroffenen Patientinnen zu teils schweren Exazerbationen der myasthenen Syndrome kommen.2 Nicht selten führt dies zu lebensbedrohlichen myasthenen Krisen, die eine intensivmedizinische Versorgung erfordern.

Zusammenfassend gehören daher Patientinnen/Patienten mit myasthenen Syndromen zur Risikogruppe mit einem signifikant erhöhten Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2.

Referenzen
1. Guidon AC & Amato AA (2020). COVID-19 and neuromuscular disorders. Neurology 94:959-96.
2. Muppidi S, Guptill JT, Jacob S, Li Y, Farrugia ME, Guidon AC, Tavee JO, Kaminski H, Howard Jr JF, Cutter G, Wiendl H, Maas MB, Illa I, Mantegazza R, Murai H, Utsugisawa K, Nowak RJ, CARE-MG Study Group (2020). COVID-19-associated risks and effects in myasthenia gravis (CARE-MG) Lancet Neurol 19:970-971.

Autoren für den Ärztlichen Beirat der Deutschen Myasthenie-Gesellschaft:
Andreas Meisel (federführend; Berlin), Michael Schroeter (Köln), Julia Kaiser (Bonn), Heinz Wiendl (Münster), Berthold Schalke (Regensburg), Franz Blaes (Gummersbach), Benjamin Berger (Freiburg), Adela Della Marina (Essen), Tim Hagenacker (Essen), Christian Jacobi (Frankfurt am Main), Sebastian Jander (Düsseldorf), Petra Kalischewski (Leipzig), Heidrun Krämer-Best (Gießen), De-Hyung Lee (Regensburg), Tobias Ruck (Münster), Jens C Rückert (Berlin), Ulrike Schara (Essen), Günther Thayssen (Hamburg), Andrea Thieme (Erfurt), Peter P Urban (Hamburg), Jana Zschüntzsch (Göttingen)

 

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